Herausforderung Generationswechsel - die Unterschiede

Katja Wildfeuer
von Katja Wildfeuer

Einleitung


Eine der Herausforderungen für Unternehmen ist der gerade stattfindende Generationenwechsel. Um zu verstehen, warum dies eine ernste Herausforderung für Unternehmen ist, schauen wir uns einmal die unterschiedlichen Generationen und ihre Arbeitspräferenzen an. Es geht hier nicht um eine Bewertung von besser oder schlechter oder von so ist es richtig und das geht gar nicht. Damit Unternehmen in Zukunft bestehen können, müssen sie verstehen, was auf sie zukommt und wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen können. Die bisherigen Ansätze werden in Zukunft nicht mehr funktionieren. Aber das ist nicht Teil dieses Artikels. Schauen wir uns hier einmal die unterschiedlichen Generationen an:

Generationen


Die Babyboomer - die Basis unserer Wirtschaft

Diese Generation ist in Deutschland eng mit dem sogenannten "Wirtschaftswunder" in den 1950er und 1960er Jahren verbunden. Sie wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in den Jahren 1946 bis 1964 geboren. In den Nachkriegsjahren gab es in Deutschland einen erheblichen Bedarf an Arbeitskräften, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Die Babyboomer, die in dieser Zeit heranwuchsen, traten später in den Arbeitsmarkt ein und trugen wesentlich zur wirtschaftlichen Blüte bei, indem sie einen großen Arbeitskräftepool bildeten.

Diese Generation hat durch ihren Beitrag zur deutschen Wirtschaft zur Stabilisierung und zum Aufschwung des Landes beigetragen, was dazu führte, dass Deutschland zu einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt wurde. Diese Generation steht für:

1. Stabilität und Loyalität: Die Babyboomer sind oft für ihre Loyalität gegenüber ihren Arbeitgebern bekannt. Sie neigen dazu, lange Zeit bei demselben Unternehmen zu arbeiten und schätzen berufliche Stabilität. Die Idee von "einen Job fürs Leben" war für viele von ihnen ein wichtiges Ziel.

2. Karriereorientierung: Die Babyboomer sind in der Regel karriereorientiert und streben beruflichen Erfolg an. Sie haben oft hart gearbeitet, um in ihren Karrieren aufzusteigen und haben hohe berufliche Ziele verfolgt.

3. Arbeit als Identität: Für viele Babyboomer war ihre Arbeit ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Sie identifizieren sich oft stark mit ihrem Beruf und betrachten ihn als integralen Bestandteil ihres Lebens.

4. Teamarbeit und Hierarchie: In der Arbeitswelt der Babyboomer waren Hierarchien und Teamarbeit wichtige Aspekte. Sie haben in einer Zeit gearbeitet, in der klare Hierarchien und Strukturen in Unternehmen üblich waren, und schätzen eine klare Organisation.

5. Finanzielle Sicherheit und Altersvorsorge: Die Babyboomer sind oft besorgt um finanzielle Sicherheit und haben Wert auf die Altersvorsorge gelegt. Viele von ihnen haben lange Zeit für den Ruhestand gespart und nach finanzieller Stabilität gestrebt.

6. Traditionelle Arbeitsmuster: Die traditionellen Arbeitsmuster, wie der 8-Stunden-Tag, waren für viele Babyboomer die Norm.

7. Pflichtbewusstsein und Verantwortung: Die Babyboomer haben oft ein starkes Pflichtbewusstsein und ein Gefühl der Verantwortung gegenüber ihrem Arbeitgeber. Sie neigen dazu, Verpflichtungen ernst zu nehmen und hohe Arbeitsmoral zu zeigen.

8. Werte von Wohlstand und Fortschritt: Viele Babyboomer sind in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs aufgewachsen und schätzen Wohlstand und Fortschritt. Sie haben oft den Glauben an sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg verinnerlicht.

Die Hierachieformen und Strukturen der meisten Unternehmen beruhen noch heute auf der Denkweise dieser Generation.


Was macht die Generation X aus?

Die Generation X, die ungefähr die Geburtsjahre von 1965 bis 1980 umfasst, hat folgende Präferenzen:

1. Unabhängigkeit und Work-Life-Balance: Die Generation X legt großen Wert auf Unabhängigkeit und die Möglichkeit, Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen. Sie schätzen flexible Arbeitsmodelle, wie Teilzeitarbeit und Home Office, um ihre beruflichen Verpflichtungen mit ihren familiären und persönlichen Interessen zu vereinbaren.

2. Pragmatismus: Aufgewachsen in einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels und wirtschaftlicher Herausforderungen, sind Mitglieder der Generation X oft pragmatisch und realistisch in Bezug auf ihre beruflichen Erwartungen. Sie sind bereit, hart zu arbeiten und legen Wert auf finanzielle Stabilität.

3. Technologieaffinität: Obwohl sie in einer Zeit ohne Internet und Mobiltelefone aufgewachsen sind, haben viele Mitglieder der Generation X die digitale Revolution miterlebt und sind technisch versiert. Sie schätzen moderne Technologie und nutzen sie aktiv in ihrer Arbeit.

4. Leistungsorientierung: Die Generation X setzt in der Regel hohe Ansprüche an sich selbst und ist leistungsorientiert. Sie schätzen Anerkennung für ihre Arbeit und beruflichen Erfolg.

5. Weiterbildung und berufliche Entwicklung: Fortbildungen und berufliche Weiterentwicklung sind für die Generation X von Bedeutung. Sie sind bereit, in ihre berufliche Bildung zu investieren und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

6. Vielfältige Karrierewege: Diese Generation verfolgt oft vielfältige Karrierewege und sucht nach beruflichen Chancen, die ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten entsprechen. Sie sind nicht zwangsläufig an lebenslange Beschäftigungsverhältnisse gebunden.

7. Wert auf persönliche Beziehungen: Zwischenmenschliche Beziehungen und ein positives Arbeitsumfeld sind für die Generation X wichtig. Sie bevorzugen kooperative und teamorientierte Arbeitsumgebungen.

8. Finanzielle Stabilität: Aufgrund der Erfahrungen mit wirtschaftlichen Unsicherheiten in ihrer Jugendzeit legen viele Mitglieder der Generation X Wert auf finanzielle Stabilität und Vorsorge für die Zukunft.

Bereits hier kann man schon einige Unterschiede erkennen.

Generation Y und ihre Wünsche an die Unternehmen

Die Generation Y, geboren zwischen 1981 und 1996, auch als Millennials bezeichnet, hat in Bezug auf Arbeit und Berufswahl bestimmte Präferenzen und Werte, die sich von früheren Generationen massiv unterscheiden. Hier sind einige Schlüsselmerkmale dessen, was die Generation Y bei der Arbeit wertschätzt:

1. Sinnstiftende Arbeit: Millennials legen großen Wert darauf, in ihrem Beruf einen Zweck oder eine Bedeutung zu sehen. Sie suchen nach Tätigkeiten, die einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten und die Welt verbessern können. Ein "sinnvoller" Job ist für sie oft wichtiger als reine finanzielle Entlohnung.

2. Work-Life-Balance: Die Generation Y strebt eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit an. Sie schätzen flexible Arbeitszeiten, Home Office-Möglichkeiten und Urlaubstage, um ihre Arbeit mit persönlichen Interessen und Lebensqualität in Einklang zu bringen.

3. Vielfalt und Inklusion: Millennials setzen sich für Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz ein. Sie bevorzugen Arbeitgeber, die eine diverse Belegschaft fördern und einen inklusiven Arbeitsplatz schaffen.

4. Weiterbildung und berufliche Entwicklung: Fortbildungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind für die Generation Y von großer Bedeutung. Sie wollen kontinuierlich dazulernen und sich beruflich weiterentwickeln. Arbeitgeber, die diese Möglichkeiten bieten, sind attraktiver für sie.

5. Technologie und Flexibilität: Millennials sind in der digitalen Ära aufgewachsen und schätzen moderne Technologien und Tools am Arbeitsplatz. Sie bevorzugen Arbeitgeber, die ihnen die neuesten Technologien zur Verfügung stellen und die Flexibilität bieten, digitale Kommunikationsmittel zu nutzen.

6. Sinnvolle Beziehungen am Arbeitsplatz: Zwischenmenschliche Beziehungen und eine positive Arbeitsatmosphäre sind Millennials wichtig. Sie bevorzugen kooperative und teamorientierte Arbeitsumgebungen.

7. Unternehmerische Möglichkeiten: Viele Millennials hegen den Wunsch nach unternehmerischer Freiheit. Sie sind offen für freiberufliche Tätigkeiten und Nebenprojekte und suchen nach Möglichkeiten, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen.

8. Nachhaltigkeit: Umweltbewusstsein ist für die Generation Y ein relevantes Thema. Sie suchen nach Arbeitgebern, die sich für Nachhaltigkeit und Umweltschutz engagieren.


Generation Z und ihre Wünsche an die Unternehmen

Die Generation Z, die nach den Millennials kommt und in den späten 1990er und den 2000er Jahren geboren wurde, hat ebenfalls bestimmte Präferenzen und Werte in Bezug auf die Arbeitswelt. Hier sind einige Schlüsselmerkmale dessen, was die Generation Z bei der Arbeit wertschätzt:

1. Technologie und Digitalisierung: Da die Generation Z in einer stark digitalen Welt aufgewachsen ist, schätzt sie moderne Technologien und digitale Arbeitsmittel am Arbeitsplatz. Sie sind oft versiert im Umgang mit digitalen Werkzeugen und erwarten, dass Arbeitgeber ihnen die neuesten Technologien zur Verfügung stellen.

2. Flexibilität und Vielfalt: Ähnlich wie die Generation Y, bevorzugt die Generation Z flexible Arbeitszeiten und -orte. Sie möchten die Freiheit haben, von verschiedenen Standorten aus zu arbeiten und schätzen Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz.

3. Sicherheit und Stabilität: Aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten in ihrer Jugendzeit legen viele Angehörige der Generation Z Wert auf finanzielle Stabilität und langfristige Arbeitsverhältnisse. Sie suchen nach Arbeitgebern, die Karrieremöglichkeiten und langfristige Perspektiven bieten.

4. Kreative und unternehmerische Möglichkeiten: Viele Mitglieder der Generation Z sind kreativ und unternehmerisch denkend. Sie sind offen für die Möglichkeit, nebenberufliche Projekte zu verfolgen und ihre eigenen Ideen umzusetzen. Arbeitgeber, die Raum für Kreativität und Eigeninitiative bieten, sind für sie attraktiv.

5. Weiterbildung und berufliche Entwicklung: Die Generation Z schätzt lebenslanges Lernen und berufliche Weiterentwicklung. Sie erwarten von Arbeitgebern, dass diese Weiterbildungsmöglichkeiten und klare Entwicklungswege bieten.

6. Nachhaltigkeit und soziales Engagement: Umweltbewusstsein und soziales Engagement sind wichtige Werte für viele in der Generation Z. Sie bevorzugen Arbeitgeber, die sich für Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und gesellschaftliches Engagement einsetzen.

7. Arbeitsplatzsicherheit: Infolge der Erfahrungen mit wirtschaftlichen Krisen während ihres Heranwachsens suchen viele Angehörige der Generation Z nach stabilen und sicheren Arbeitsplätzen, die ihnen finanzielle Sicherheit bieten.

8. Gesundheit und Wohlbefinden: Die Generation Z legt Wert auf die physische und mentale Gesundheit. Arbeitgeber, die Programme zur Förderung von Wohlbefinden und Gesundheit am Arbeitsplatz anbieten, sind für sie attraktiv.

Fazit

Es ist wichtig zu beachten, dass es innerhalb der Generationen Unterschiede gibt, und nicht alle Mitglieder dieselben Prioritäten haben. Es kann sogar sein, dass es Menschen gibt, die die Werte späterer oder früherer Generationen leben. Diese Aufzählungen erheben auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar die Definition eines Ist-Zustandes. Dennoch bieten diese Merkmale einen Einblick in die Unterschiedlichkeiten der Werte und Präferenzen, die für viele Angehörige der jeweiligen Generation in Bezug auf die Arbeitswelt relevant sind.

Anhand dieser Übersicht kann man erkennen, dass es Werte und Präferenzen gab, die nur für die Babyboomer von Relevanz waren. 

Bild Generationen

Allein daraus ergibt sich für Unternehmen die Notwendigkeit, neu zu denken und sich umzustellen. Unsere Unternehmen basieren noch auf den Hierachien und Strukturen aus der Zeit der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert. Dieses Denken passt nicht mehr zu den folgenden Generation und hat bereits jetzt gravierende Auswirkungen. Aber dazu in einem anderen Artikel mehr.