Raus aus der negativen Kommunikationsspirale

Aktualisiert: 16. Nov 2019


Kennen Sie das? Sie gehen schon mit schlechter Laune und Bauchschmerzen ins Büro, weil Sie schon ahnen, dass Sie auch heute wieder in einer kommunikativen sich regelmäßig wiederholenden Endlosschleife landen werden, aus der es vermeintlich keinen Ausweg gibt. Situationen wie diese gibt es viele im täglichen Berufsalltag wie auch im Privatleben.


Anhand eines Beispiels möchte ich Ihnen aufzeigen, dass Sie durchaus handlungsfähig sind und diese Kommunikationsmuster unterbrechen können. Damit vermeiden Sie Stress und schonen Ihre zeitlichen Ressourcen.


Schauen wir uns das mal etwas genauer an:


Beispiel:

(Anmerkung: die Geschlechter und Namen sind lediglich aus narrativen Gründen gewählt worden. Die Geschlechterrollen, Hierarchieebenen und Charakterzüge sowie Abläufe sind natürlich in alle Richtungen offen.)


Die Ausgangssituation:

Herr Freundlich sitzt in seinem Büro und sein Zimmerkollege Herr Mürrisch kommt rein. Er sieht schon wieder so aus, als hätte er bereits schlechte Laune. Herr Mürrisch hat sich noch nicht den Mantel ausgezogen und Herr Freundlich fühlt sich automatisch dazu veranlasst zu fragen, was los ist. Herr Mürrisch antwortet, „dass doch sowieso alles Scheiße“ ist. Die schlechte Laune springt bereits auf Herrn Freundlich über, aber er hat das Gefühl nachhaken zu müssen und fragt, was denn genau „diesmal Scheiße“ sei und ob Herr Mürrisch darüber reden möchte. Herr Freundlich fühlt sich zwar schon genervt und seine Laune sinkt in den Keller, aber er hört sich die Schilderung in allen Details an. Es entbrennt eine Diskussion, was man hätte anders machen können. Herr Freundlich steigt ein. Nach 30 Minuten klingelt das Telefon und die Diskussion ist ohne einen befriedigenden Abschluss zu Ende. Bei Herrn Freundlich bleibt ein schlechtes Gefühl zurück. Er ist noch mit seinen Gedanken in der Diskussion und braucht eine weitere Stunde, um sich wieder auf seine Arbeit konzentrieren zu können. Herr Mürrisch scheint derweil ganz zufrieden seine Arbeit zu erledigen.


Was passiert in diesem Beispiel?


  1. Antizipation = Herr Freundlich hat schon am Vorabend und/oder am Morgen ein schlechtes Gefühl, obwohl das erwartete Ereignis noch gar nicht eingetreten ist. Er nimmt es vorweg und stellt sich die aufkommende Situation in allen unangenehmen Facetten vor. Dadurch kann er sich nicht auf gerade anliegende ihn betreffende Themen konzentrieren.

  2. Bewertung = Herr Freundlich bewertet die Situation – Herr Mürrisch scheint schlechte Laune zu haben, weil er mit einem „mürrischen“ Gesicht ins Büro kommt. Seine Erfahrung sagt, „mürrisches“ Gesicht ist gleich schlechte Laune = bedrohlich = Stress.

  3. Unterstellung = dabei unterstellt Herr Freundlich Herrn Mürrisch schlechte Laune. Er geht davon aus, dass etwas los sein muss.

  4. Aufdrängen = Herr Freundlich lässt Herrn Mürrisch gar nicht erst ankommen. Er springt sofort (automatisch) auf die „Laune“ an.

  5. Nachhaken = da Herr Mürrisch nur kurz antwortet, aber nicht weiter erzählt, hakt Herr Freundlich nochmal nach. Er „opfert“ sich.

  6. Einsteigen = Herr Freundlich versucht das Problem von Herrn Mürrisch zu lösen und steigt damit in eine Diskussion ein, die solange anhält, bis ein anderer Zustand (hier Telefonanruf) eintritt. Eine Lösung wird nicht gefunden. Das „Problem“ besteht fort.

  7. „Leiden“ = Herr Freundlich hat das Problem von Herr Mürrisch zu seinem werden lassen. Es belastet ihn; er fühlt sich schlecht und kann nicht konzentriert arbeiten.

  8. Angst = Herr Freundlich möchte diese wiederkehrenden „Diskussionen“ eigentlich gar nicht führen und hat Angst, dass es am nächsten Tag wieder dazu kommt. Er kann sich nicht erklären, wie es immer wieder dazu kommt. Er sieht einfach keinen Ausweg aus dieser Situation. Der Kreislauf beginnt.


Was kann man tun, um diesen Kreislauf zu unterbrechen?


Zunächst einmal ist es wichtig, sich dieser Spirale und seines eigenen „Mitwirkens“ und seiner Rolle bewusst zu werden. Dazu ist es sehr hilfreich, sich die einzelnen „Mitwirkenspunkte“, wie oben, aufzuschreiben, damit man einen Überblick erhält.


Nun kann man sich die Frage stellen, an welcher Stelle es für einen heute möglich ist, auszusteigen. Nicht immer ist ein Ausstieg ganz oben oder in der Mitte möglich. Dann fängt man mit etwas an, was bereits geht und wobei man ein gutes Gefühl hat.


Hierzu eine mögliche Option des Herrn Freundlich:


4. Aufdrängen = Herr Freundlich lässt Herrn Mürrisch gar nicht erst ankommen. Er springt sofort (automatisch) auf die „Laune“ an.

Herr Freundlich lässt Herrn Mürrisch erst einmal in Ruhe ankommen, seinen Mantel ausziehen und sich einen Kaffee holen. Dann könnte er z.B. sagen: „Schönen guten Morgen – wie geht es Ihnen heute?“ (wenn ihm das wichtig ist).


5. Nachhaken = da Herr Mürrisch nur kurz antwortet, aber nicht weiter erzählt, hakt Herr Freundlich nochmal nach. Er „opfert“ sich.

Wenn Herr Mürrisch dann mit „Es ist alles scheiße“ antwortet, könnte Herr Freundlich nur noch antworten: „Das tut mir leid zu hören.“ Damit hätte er die Befindlichkeit des Kollegen anerkannt, ohne sie weiter zu thematisieren und zu seinem Problem werden zu lassen.


Natürlich wäre ein Ausstieg auch gleich am Anfang möglich, indem Herr Freundlich nur einen schönen Morgen wünscht und Herrn Mürrisch gar nicht erst unterstellt, dass dieser schlechte Laune hat und selbst wenn dieser schlechte Laune haben sollte, dies nicht als für ihn bedrohlich bewertet und die Befindlichkeit beim Kollegen belässt.


Ziel ist es, zunächst eine zeitraubende und stressbeladene Eskalation zu vermeiden und dann die negative Vorwegnahme und den damit verbundenen Stress zu minimieren und später möglichst ganz aufzulösen.



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