Muster – Beispiel aus dem beruflichen Leben – Teil III

Was passiert? Nachdem wir uns scheinbar ganz zufällig für einen Beruf entschieden haben, wählen wir uns auch scheinbar ganz zufällig einen Arbeitgeber mit ganz zufälligen Kollegen und noch zufälligeren Situationen. Naja, ich bin der Meinung, das hat nichts mit Zufall zu tun, sondern mit dem, was wir brauchen, um unsere Muster ablaufen zu lassen. Ein kleiner Tropfen reicht, um große Kreise zu ziehen.



In diesem Beispiel einer Kundin passierte Folgendes:

Maria (es hätte aber auch Martin sein können) begann voller Eifer, sich in ihren ersten Job einzuarbeiten. Da es niemanden gab, der sie einarbeitete, war es ihr überlassen und sie zeigte allen, dass sie das konnte. Keine Aufgabe war zu schwer oder unüberwindbar. Sie eignete sich das nötige Wissen selbst an. Nach einiger Zeit kam allerdings Langeweile mit den vorhandenen Aufgaben auf. Also suchte sie nach neuen Aufgaben und wieder nach neuen Aufgaben. Sie schaffte in 40 Stunden mehr als andere, in hervorragender Qualität. Selbst in der freien Zeit bildete sie sich regelmäßig weiter, um noch mehr Wissen anzuhäufen, um freiwillig noch zusätzliche Projekte annehmen zu können.

Eigentlich sollte sie Anerkennung und Wertschätzung erfahren, weil sie soviel „wegschafft“, aber es passierte das Gegenteil. Die Kollegen und Kolleginnen gingen ihr aus dem Weg und redeten nicht mit ihr. Je mehr sie sich bemühte, umso abweisender wurden sie. Der Vorgesetzte, selbst sehr leistungsorientiert, nutzte ihre Fähigkeiten und ihre Bereitwilligkeit, so dass Überstunden und Feiertagsarbeit keine Seltenheit waren.


Nach einigen Jahren kam es zu einem Jobwechsel. Was passierte? Maria hatte erkannt, dass sie sich unbeliebt macht, wenn sie anderen vor Augen führt, dass sie alles kann und mehr arbeitet als es für die Position angedacht ist, obwohl das gar nicht ihre Absicht gewesen war. Trotz dem Vorsatz, es diesmal anders zu machen, arbeitete sich Maria erneut mit Eifer in ihren Job ein. Es gab wieder völlig neue Aufgaben und wen wundert es, erneut keine Einarbeitung seitens der Vorgängerin auf dieser Position. Sie hatte in kurzer Zeit wieder alle Tätigkeiten im Griff. Diesmal gab es keine Kolleginnen oder Kollegen auf der gleichen Ebene. Das sollte die Sache diesmal doch einfacher machen. Nebenbei bildete sie sich immer noch fort. Alles schien gut zu laufen. Es dauerte einige Jahre bis sie diesmal von den Vorgesetzten „ausgebremst“ wurde. Der ausgeübte Druck wurde so groß, dass sie das Unternehmen verlassen musste.


Maria stellte fest, dass es Vorgesetzte auch nicht mögen, wenn man ihnen zeigt, wie viel man drauf hat und dies zeigt. Also würde sie in Zukunft nur noch ganz „normal“ ihren Job machen.

Mit diesem erneuten Vorsatz begann sie im nächsten Job. Und es kam, man ahnt es schon, erneut zu der Situation, dass sie nicht eingearbeitet wurde. Wieder völlig neue Aufgaben und Maria arbeitete sich erneut mit Eifer in diese ein. Zusätzlich übernahm sie Aufgaben vom Vorgesetzten, wenn dieser mitteilte, dass er keine Lust darauf habe. Sie beteiligte sich an Projekten und wie sollte es anders sein, bildete sich parallel in der Freizeit weiter. Diesmal hatte sich aber etwas verändert. Sie bekam für ihre Leistung Anerkennung! Endlich registrierte mal jemand, was sie hier tat. Das ging einige Jahre gut. Scheinbar plötzlich änderte sich aber das Verhalten des Vorgesetzten. Maria konnte, egal was sie tat, es ihm nicht mehr recht machen. Er erlaubte keine noch so kleinen Fehler, was dazu führte, das Maria immer wieder kleine Flüchtigkeitsfehler machte. Er wurde unwirsch und aufbrausend. Sie hoffte, es würde sich wieder ändern, da er doch anfangs so ganz anders war und hielt durch. Es wurde aber nur noch schlimmer und sie wusste nicht, warum. Das Ergebnis war, dass sie das Unternehmen verlassen musste.


Maria erkannte, dass hier etwas nicht stimmte. Sie wollte in den ganzen Jahren niemanden vorführen noch brüskieren oder anderweitig zu nahe treten. Sie hatte im Laufe der Jahre immer wieder Coachings, aber keine Lösung gefunden. Es wurden immer nur die aktuellen „Problemsituationen“ angeschaut.

Erst als wir das Muster aufgedeckt haben und nicht fokussiert auf das Einzelproblem, sondern mit weiter Wahrnehmung von oben die gesamte Situation erfasst hatten, fiel einiges auf.


Ihre unterbewussten Gedanken:

Perfekte Leistung war ihr leises (unterbewusstes) Ziel. Sie prahlte nicht mit ihrer Leistung und Fähigkeit oder hob sich selbst lautstark hervor. Nein, es würde auch so jeder sehen, wie gut, aber vor allem wie liebenswert, sie war. Ihre Kindheitsprägung (bis zum 6. Lebensjahr) hatte in ihr den Irrtum hervorgerufen, dass Liebe nur über Leistung zu bekommen ist. Wenn sie leistet, bekommt sie Anerkennung, Wertschätzung und Liebe. Da es aber ausblieb, schraubte sie ihre Leistung immer mehr in die Höhe, denn irgendwann müsste doch die Liebe, Anerkennung und Wertschätzung kommen. Dahinter verbarg sich des Weiteren die Angst vor Ablehnung. Problem eines Musters ist, dass es eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist. Je stärker die Angst vor Ablehnung, umso eher wird es letztendlich auch auf Ablehnung hinauslaufen. Der Kreislauf war damit perfekt. Sie leistete, um geliebt zu werden; zog sich damit den Unwillen und die Ablehnung der Kollegen, Kolleginnen und Vorgesetzten zu; leistete noch mehr, um nur noch mehr abgelehnt zu werden.


Der Ausstieg:

Nachdem dieser Kreislauf und das Muster als solches bewusst wurden, konnte sie diesmal bewusst entscheiden (ohne, dass der automatische Mechanismus von allein erneut auslöste), wie sie sich verhalten wollte. Die Ursachen hinter den Mustern, die in der Kindheitsgeschichte zu finden waren, konnten aufgedeckt und ebenfalls bewusst gemacht werden. Mit Hilfe der Karten-Aufstellungsarbeit wurden die Glaubenssätze „Liebe ist Leistung“, „ich bin nicht liebenswert“ aufgelöst.


Fazit:

Jeder Mensch wurde in seiner Kindheit geprägt und „besitzt“ Muster, die meist unbewusst ablaufen, das Leben aber sehr schwierig machen können. Es gibt viele Berufstätige, die den Irrtum „Liebe ist Leistung“ bis zum Burnout ausleben. Soweit muss es nicht kommen, wenn man weiß, dass es diese Muster gibt und genau hinschaut. Das sichtbare Problem, was häufig in Coachings, behandelt wird, ist nur ein Auszug aus dem Ganzen. Die Ursache liegt dahinter und verliert aufgedeckt seine Wirkung.


Das ist nur ein Beispiel. Es gibt viele andere Variationen von Mustern überall da wo Beziehungen stattfinden. Es finden sich immer Mitspieler, die das Muster füttern oder für ihre Zwecke nutzen.

Nur wer sich der Muster und ihrer Wirkungsweise bewusst ist, kann sein Leben anders gestalten.

Viel Spaß bei der Suche wünscht

Katja Wildfeuer

Detektivin für verborgene Verhaltensmuster

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