Hochsensibilität - Was bedeutet das?

Aktualisiert: Feb 21

Ein Persönlichkeitsmerkmal - häufig unerkannt und doch mit starken Einflüssen



Hochsensibilität? Viele Menschen haben noch nie davon gehört und haben gar kein Interesse, sich näher damit zu beschäftigen. Wie auch? Sie können nicht verstehen, was damit gemeint sein soll, weil sie es nicht erleben. Zu dieser Gruppe gehören nicht nur "normal" sensitive Menschen, sondern zum Teil auch Ärzte, Psychotherapeuten und Coaches.



Alles Einbildung?


Sind Sie schon einmal von Ihrem Arzt oder Psychotherapeuten gefragt worden, wie Sie die Außenwelt und sich selbst wahrnehmen? Die andersartige Wahrnehmung und Reizaufnahme endet leider häufig in Diagnosen wie Schüchternheit, Ängsten, Depressionen oder geringer Stressresistenz. Wenn es hoch kommt, wird einem auf dem Kopf zugesagt, dass man sich das alles nur einbilde. So schlagen viele Therapien fehl und enden unter Umständen tatsächlich in Depressionen und in der Resignation.


Die anderen, die sich in der Zwischenzeit mit diesem Thema ausgiebig beschäftigt haben und/oder selbst hochsensibel sind, können die Existenz dieses Phänomens bestätigen und zeigen zum Teil sehr eindrucksvoll, wie man mit dieser Begabung auch umgehen kann.


Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal und keine Krankheit!


Wichtig ist dabei zu beachten, dass es sich auch nur um ein Persönlichkeitsanteil unter weiteren handelt und die Persönlichkeit nicht vollständig beschreibt. Auch die Ausprägung ist von Mensch nicht nur unterschiedlich, sondern auch anders gelagert.


Aber was ist denn nun Hochsensibilität?


Reize/Sinnesreize werden einfach tiefer, intensiver und detaillierter wahrgenommen und gespeichert.


Laut Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Hochsensibilität) treten folgende Erscheinungen vermehrt auf:


  • ausgeprägte subtile Wahrnehmung (vielschichtige Fantasie und Gedankengänge)

  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit

  • detailreiche Wahrnehmung

  • hohe Begeisterungsfähigkeit

  • sehr vielseitige Interessen

  • hohe Eigenverantwortung und Wunsch nach Unabhängigkeit 

  • sehr ausgeprägtes Langzeitgedächtnis

  • psychosoziale Feinwahrnehmung (Befindlichkeiten, Stimmungen und Emotionen anderer Menschen werden leichter und detaillierter erkannt)

  • stärker beeinflussbar durch Stimmungen anderer Menschen

  • ausgeprägtes intuitives Denken, häufig verbunden mit der Fähigkeit zu lateralem und multiperspektivischem Denken

  • gleichzeitige Wahrnehmung vieler Details einer Situation bei hoher Verarbeitungs- und Verknüpfungstiefe kann u. U. neue Wahrnehmungsbereiche und ungewöhnliche Zusammenhänge oder Sichtweisen erschließen

  • langer emotionaler „Nachklang“ des Erlebten

  • Denken in größeren Zusammenhängen

  • ausgeprägter Gerechtigkeitssinn

  • starke Werteorientierung, Harmoniebedürfnis, Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein

  • intensives Erleben von Kunst und Musik

  • Neigung zu Selbstkritik und Perfektionismus


Was sagt die Wissenschaft?


Warum ca. 20 % der Bevölkerung eine andere Reizwahrnehmung haben als andere, ist wissenschaftlich noch nicht genügend erforscht. Der renommierte amerikanische Entwicklungspsychologe Jerome Kagan (Quelle: Kagan: Galens Prophecy; Temperament in human nature. New York Basic Books, 1994) konnte zumindest wissenschaftlich nachweisen, dass das Temperament, mit dem man geboren wurde, sich wie ein roter Faden durch das weitere Leben zieht. Er hat seine Studien am Beispiel der Beeindruckbarkeit und Reaktion auf Reize durchgeführt. In dieser Studie begleitete er kontinuierlich Babys über die Kleinkindphase ins Jugendalter bis hin zum jungen Erwachsenen. 20 % reagierten besonders empfindlich. Diese Gruppe nannte er "high reactors", die er deutlich von der Gruppe der "low reactors" abgrenzen konnte (40 %). Kagan nimmt an, dass diese "Hochreaktivität" erblich ist. Die Hochreaktiven zeigten bei hirnorganischen Untersuchungen Auffälligkeiten in der Amygdala (Emotionen und Gefühle) und im Präfrontalen Kortex (exekutive Aufgaben). Genauere Informationen erhalten Sie hier: http://www.hochsensibel.org/wissenschaftliches-netzwerk/stand-der-forschung.php


Wo aber liegt das Problem?


Solange man aber nicht weiß, dass man hochsensibel ist, fühlt es sich so an, als ob man falsch und anders wäre. Es entstehen Konflikte, die man sich nicht erklären kann. Man hat das Gefühl, von den anderen nicht beachtet zu werden; Höchstleistung zu bringen und trotzdem keine Anerkennung zu finden. Symptome zu haben, deren Ursache scheinbar unauffindbar sind. Auf Ablehnung zu stoßen, obwohl man alles tut, um dazu zu gehören. Im Beruf anzuecken, schon zu tief im Detail zu sein, während andere noch über das Thema als solches nachdenken. Das Gefühl, die Flucht ergreifen zu wollen, wo andere erst anfangen, Spaß zu haben. Immer für andere da zu sein, ohne selbst Hilfe angeboten zu bekommen. Die Themen sind vielseitig.


Weichen das eigene Empfinden und die scheinbare Realität dauerhaft von einander ab, kommt der Körper aus dem Gleichgewicht. Dies erzeugt Stress, dessen Auslöser man aber nicht findet. Dauerhafter Stress führt zur Chronifizierung und langfristig zu Depressionen und anderen Begleiterscheinungen. Die Hochsensibilität umfasst auch Faktoren, die die Burnout-Spirale anfeuern und diese Tendenz noch unterstützen. Weiß man darum, kann man dieser Gefahr entgegenwirken.


Trifft Hochsensibilität auf mich zu?


Anhand einer Reihe von Aussagen haben Sie die Möglichkeit, zu prüfen, inwieweit diese auf Sie zutreffen. (Diese erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit - teilweise beruhen diese Aussagen auf meinen eigenen Erfahrungen und teilweise habe ich sie dem sehr empfehlenswerten Buch von Ulrike Hensel "Mit viel Feingefühl, Hochsensibilität verstehen und wertschätzen" (Junfermann Verlag) entnommen.


  • Haben Sie oft das Gefühl, unverstanden und verkannt zu werden?

  • Sind Sie lärmempfindlich und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren?

  • Sie möchten sich am Liebsten in die völlige Ruhe zurückziehen?

  • Hören Sie Geräusche, die andere noch gar nicht wahrnehmen oder lassen Sie sich von leisen Dauergeräuschen nervös machen?

  • Meiden Sie gerne große Menschenansammlungen?

  • Nehmen Sie Dinge wahr, die andere nicht wahrnehmen?

  • Haben Sie immer wieder das starke Bedürfnis, sich zurückzuziehen?

  • Brauchen Sie Zeit für sich alleine?

  • Denken Sie gründlich über vieles nach?

  • Haben Sie Schwierigkeiten, Ihre Gedanken mal zur Ruhe zu bringen?

  • Fällt es Ihnen leicht in größeren Zusammenhängen zu denken?

  • Gehen Sie gerne bis ins kleinste Detail?

  • Sind Sie sehr kreativ und lieben vielleicht die Musik, die Künste etc.?

  • Sind Sie sehr ehrgeizig, zuverlässig und pflichtbewusst?

  • Arbeiten Sie oft über Ihre Leistungsgrenze hinweg?

  • Fragen Sie immer wieder nach neuen Aufgaben, da die bereits vorhandenen, langweilig werden?

  • Wird Ihnen dies dann irgendwann zuviel, aber Sie können es nicht mehr ansprechen?

  • Sie können auch nicht "Nein" sagen, wenn noch mehr Aufgaben kommen?

  • Gehen Sie gerne in die Natur, um zu entspannen?

  • Sind Sie stark lösungsorientiert?

  • Brauchen Sie einen Sinn im Leben und fällt es Ihnen schwer, diesen zu finden?

  • Erspüren Sie leicht Stimmungen und Gefühlsregungen anderer?

  • Lassen Sie sich von Launen und Befindlichkeiten anderer stark beeinflussen?

  • Beziehen Sie das, was andere sagen schnell auf sich?

  • Fühlen Sie sich schnell angegriffen und gekränkt?

  • Denken Sie lange über Vorwürfe nach und gehen Ihnen diese zu Herzen?

  • Ist Ihnen Harmonie wichtig und Sie gehen Konflikten lieber aus dem Weg?

  • Besser gar nicht erst ansprechen, sondern die eigenen Bedürfnisse zurückschrauben?

  • Kümmern Sie sich häufig um die Probleme anderer?

  • Haben Sie Schwierigkeiten damit, sich abzugrenzen?

  • Vermeiden Sie Filme mit Gewaltszenen?

  • Schalten Sie lieber um, wenn Ihnen Bilder von Kriegen, Hungersnöten, Katastrophen in Nachrichten gezeigt werden?

  • Gehen Ihnen solche Bilder lange nach?

  • Geht Ihnen das Leid von Tieren und Natur sehr nahe?

  • Kommen Ihnen vielleicht sogar die Tränen, wenn Sie Tiere leiden sehen?

  • Sind Sie auffällig schmerzempfindlich?

  • Bemerken Sie die Wirkung von Koffein und Alkohol stärker als andere?

  • Sind Medikamente oft für Sie zu hoch dosiert?

  • Stellen sich entsprechende Nebenwirkungen ein?

  • Reagieren Sie leicht mit körperlichen Symptomen auf psychische Probleme?

  • Hängen Ihnen unschöne Situationen lange nach?

  • Grübeln Sie darüber, ob Sie etwas falsch gemacht haben?

  • Hatten Sie bereits mehrfache Job- und/oder Branchenwechsel?

  • Haben Sie sich evtl. schon versucht selbständig zu machen und dann doch aufgegeben?

  • Hüpfen Sie gerne von einem Projekt zum anderen, ohne dabei wirklich fündig zu werden?

  • Zweifeln Sie oft an Ihren Fähigkeiten und fangen daher gar nicht erst an?

  • Soziale Ungerechtigkeit beeindruckt Sie so stark, als ob Sie selbst davon betroffen wären?

  • Sie wurden in Ihrer Kindheit und/oder im Beruf bereits gemobbt?

  • Der Kontakt mit anderen Menschen laugt Sie manchmal aus?

  • Gelingt es Ihnen eher, sich für die Rechte anderer einzusetzen, als für Ihre eigenen?

  • Haben Sie das Gefühl, den Kontakt zu Ihren Gefühlen verloren zu haben?

  • Schlafen Sie übermäßig viel?

  • Haben Sie ständig Hunger?

  • Neigen Sie dadurch vielleicht zu Übergewicht?

Wenn Sie sich hierin gefunden haben und feststellen mussten, das hier einige Punkte angesprochen wurden, die u.U. mit zu Ihren Problemen beigetragen haben, dann kontaktieren Sie mich gerne.