Hochsensibilität und ihre Auswirkungen

Aktualisiert: 15. Sept 2019

In diesem Beitrag möchte ich näher darauf eingehen, was die schwierigen Seiten einer ansonsten auch sehr vorteilhaften und interessanten Persönlichkeitsfacette sein können. Ich gebe diesem Thema ganz bewusst Raum, weil es viele Menschen im Berufsleben gibt, die sich kein Bild davon machen, welchen Einfluss dieses sehr durchlässige Nervenkostüm im Berufsalltag hat und welche Rolle es im Burnout-Geschehen spielen kann.





Grundsätzlich reagieren Menschen dieses Typus auf viele Arten von Sinneseindrücken stärker als andere. Das Ausblenden und Filtern, was unser Wahrnehmungszentrum im Gehirn normalerweise sehr gut umsetzt, ist hier durchlässiger und führt daher zu einer ausgeprägteren Aufnahme von außen.


Eine eigentlich liebevoll gemeinte Frotzelei im Büro, eine achtlose Bemerkung können sie in tagelanges Brüten versetzen. Geräusche z.B. in einem Großraumbüro, der umgebenden Technik (surrende Drucker, Piepen von Handys etc.), Gerüche z.B. von Essen oder das Parfüm des Kollegen, Neonlicht, Sonneneinstrahlung und vieles mehr zehren an den Nerven und sorgen für Kopfschmerzen und Müdigkeit. Die vielen Gedanken, die gleichzeitig durch das Gehirn rasen, das Vorausdenken und die Fähigkeit, Zusammenhänge schon zu erkennen, wo andere noch gar nicht angefangen haben, darüber nachzudenken, verlangen viel von Geist und Körper ab. Oft sind Hochsensible in der Lage, wesentlich mehr Arbeit als ihre Kollegen, in der gleichen Zeit zu schaffen. Sie sind ständig auf Empfang und registrieren oft schon vor anderen, dass etwas schief läuft. So bemerken sie oft als Erste schwelende Konflikte im Team oder Veränderungen in der Abteilung. Ihr Gehirn ist ein Hochleistungsmotor, der allerdings nicht für die Langstreckenrennen unserer Zeit geschaffen ist.


In der neueren Hirnforschung hat man durch bildgebende Verfahren Hinweise gefunden, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Gehirnen von Hochsensiblen und denen anderer Menschen gibt. Regionen des Neokortex, die mit Aufmerksamkeit und der Verarbeitung von Sinnesdaten gekoppelt sind, reagieren bei hochsensiblen Menschen hochaktiv auf jede Art von Stimulierung. Hiervon sind auch die Areale, die auf Belohnung oder auf Angstauslöser spezialisiert sind, intensiver betroffen, als beim Durchschnitt.


Diese tägliche Höchstleistung und erhöhte Wachsamkeit, die aber auch in der Freizeit nicht zur Ruhe kommt, da das Gehirn da ja nicht einfach aufhört, weiterzudenken, sorgt für einen hohen bis sehr hohen Energieverlust und Stress für Körper und Geist. Dazu kommt ein weiterer Stressfaktor in Form der Erfahrung, anders zu sein. Betroffene fühlen sich oft "falsch" oder "anders", was zusätzlich das Selbstwertgefühl schwächt, welches versucht wird, über noch mehr Leistung wieder aufzubauen. Der Kreislauf beginnt.


Wird der Gedankensturm und die Wachsamkeit nicht regelmäßig heruntergedimmt, kommt es zu einer verstärkten Ausschüttung von Kortisol. Bleibt dieses permanent hoch, hat dies gravierende Auswirkungen auf den Körper. Langfristig besteht hier die Gefahr einer Depression und das Burnoutrisiko steigt.


Der Emotionsforscher Michael Jawer hat im Rahmen einer Untersuchung zum Thema "krankmachende" Häuser und die Luftqualität in Gebäuden auch herausgefunden, dass bei den zuvor eindeutig als "hochsensible" identifizierten Personen ein weites Spektrum von Störungen und Beeinträchtigungen vorlag. Bei diesen Störungen und Beeinträchtigungen vermutet man eine starke psychosomatische Komponente: Migräne, Reizdarm, chronisches Erschöpfungssyndrom, Allergien und Fibromyalgie.



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