Burnout Verlauf nach Edelwich (1980)

Aktualisiert: 15. Sept 2019


Burnout - keine Erkrankung, aber doch so einschneidend im Leben.

Wer rechnet schon damit, einmal selbst davon betroffen zu sein.


Es gibt unterschiedliche Stufenmodelle, die den Verlauf deutlich machen sollen. Bei jedem Einzelnen ist es anders. Hier habe ich den Verlauf von Edelwich aufgegriffen.


I. Vorstufe: Enthusiasmus


Zu Beginn ist der Betroffene überengagiert und extrem leistungsfähig. Überstunden sind kein Problem, werden reichlich gemacht. Die Arbeit macht Freude und ein enthusiastisches Gefühl breitet sich aus. Regeneration ist nicht so wichtig und wird vernachlässigt.


  • extremes berufliches Engagement (idealistisches Überengagement)

  • Verzicht auf Erholungsphasen trotz Maximum an Energieaufwendung

  • Reduktion bis zur Aufgabe der privaten Interessen, Hobbys, Beziehungen (hohe Arbeitsmotivation, starker Einsatz)

  • der Wunsch, beruflich perfekt zu sein, steht im Mittelpunkt der Lebensgestaltung

  • beruflicher Erfolg ist die Belohnung, der Anreiz für die Arbeit (Beruf wird zum Lebensinhalt)

  • gleichzeitiger sozialer Aufstieg und gehobenes gesellschaftliches Ansehen verhindern die Reflexion über die eigene private Situation und die mangelnde Beziehungsfähigkeit

Körperliche Symptome

  • häufige Kopfschmerzen

  • häufige Rückenschmerzen

  • Schwindel

  • Blutdruckinstabilität

  • Schwächegefühle und Gefühl des Kollaps mit niedrigen und dann wieder deutlich erhöhten Blutdruckwerten

Mentale Symptome

  • beginnendes Gefühl der Leere

  • zu wenig Erholungspotential


II. Früh-Stadium: Stagnation


Das "Hoch" lässt nach. Die ersten resignierenden Gefühle treten auf. Es schleicht sich ein Gefühl von mangelnder Anerkennung und Unterstützung ein. Die Kommunikation mit der Außenwelt wird schlechter.


Körperliche Symptome


  • zunächst leichtere, dann häufiger auch schwere und bisher ungewohnte Erkrankungen

  • Erkältungen und grippale Erkrankungen, die bisher übergangen wurden, führen zu längeren Krankenständen

  • Wirbelsäulen- und Muskelverspannungsbeschwerden nehmen zu


Mentale Symptome


  • Gefühl innerer Leere erstreckt sich auch auf Zeiten, in denen Routineaktivitäten ausgeführt werden

  • Sinnlosigkeitserlebnisse, Desillusionierung

  • erste Enttäuschung und Resignation

  • Gefühl der fehlenden Wertschätzung der Arbeit


Verhalten

Flucht in die äußere Aktivität

  • zunehmend beobachtbarer Zynismus

  • reduziertes Engagement

  • oberflächliche Vergnügungen und Alkohol, mitunter auch andere Rauschmittel


III. Fortgeschrittenes Stadium: Frustration

Psychische und physische Dysbalancen kommen zum Vorschein. "Die Seele trübt sich grau"


Körperliche Symptome

Der Körper macht sich durch psychosomatische Beschwerden bemerkbar


  • Schwindel

  • Kopfschmerzen

  • Hitzewallungen

  • Rückenbeschwerden

  • Schlafstörungen

  • Herzschmerzen und Beklemmungsgefühle in der Brust

  • Muskel- und Gliederschmerzen

  • Ohrgeräusche

  • Verstopfung oder Durchfall

  • nervöser Magen oder Darm u.v.m.

Körperliche Krankheiten wandeln sich eher in chronische Leiden (trockene Schleimhäute, trockener Reizhusten) oder langwierige Zustände und brechen nicht mehr mit Akutsymptomen (Fieber, Schnupfen) durch. Urlaub und Kur bringen keine oder nur kurzzeitige Erholung.


Mentale Symptome


  • Lust- und Interessenlosigkeit, auch bei Tätigkeiten, die bisher Freude machten

  • wenig Emotionen: Dinge, die bisher ärgerten, kränkten oder erfreuten, können nicht mehr bewegen

  • depressive Verstimmungen nehmen zu


Verhalten


  • Arbeit fällt schwerer

  • Arbeitsqualität lässt nach, Fehler treten vermehrt auf

  • der Zynismus wird zunehmend massiv


IV. End-Stadium: Apathie


Der Gesamtzustand hat sich bereits deutlich verändert. Man fühlt sich geistig und körperlich "ausgebrannt". Man neigt dazu, diesem Zustand nachzugeben. Die Akzeptanz des Zustandes ist enorm gefährlich, da die Symptome behandelt werden müssen, weil sie über kurz oder lang zum Tod führen können.


Körperliche Symptome


  • energetische Leere; Gefühl der Kraftlosigkeit

  • wenn körperliche Leiden vorliegen, sind diese in ein sehr langwieriges, chronisches Stadium übergegangen


Mentale Symptome


  • Resignation und Sinnlosigkeitsgefühle nehmen überhand

  • Gleichgültigkeit, Distanzierung

  • das Gefühl der inneren Leere wird zum Alltagsgegenstand

  • emotionaler Rückzug, Einsamkeit

  • starke Depressionen

  • (existentielle) Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit

  • es gibt kaum mehr Zeiten, in denen die Betroffenen sich nicht frustriert, schwach, einsam und hilflos fühlen

  • aber dies lässt sie kalt, ihre Gefühlswelt ist völlig abgestumpft


Verhalten


  • die berufliche Leistungsfähigkeit hat massiv abgenommen, verantwortungsvolle Tätigkeiten sind nicht mehr möglich

  • Süchte, körperliche Leiden oder akute, schwere Erkrankungen führen zum beruflichen Ausschluss, Arbeitslosigkeit oder Frühpension

  • im Beziehungsbereich droht über Beziehungsabbrüche die Einsamkeit und Isolierung




(entnommen dem Skript der AHAB-Akademie)





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